Finanzsystem
Ethik im Finanzsystem
Wie können ethische Standards im Finanzsystem gefördert werden?
Unfassbare Milliardensummen sind im Schlund der Weltfinanzkrise verschwunden. Das können nicht ausschließlich unverantwortliche Zocker gewesen sein, die solche Beträge aus eigennützigen Motiven riskiert haben. Es waren auch viele Banker dabei, die versucht haben verantwortungsvoll für ihre Kunden zu handeln und dabei der Versuchung der, durch Ratingagenturen abgesicherten, Renditeversprechen erlegen sind. Die Frage muss also nicht lauten, wie schulen wir Banker so ethisch, dass Ähnliches in Zukunft nicht wieder passiert, sondern wie müssen die Rahmenbedingungen der Märkte geändert werden, damit ethisches Handeln auch zum Tragen kommen kann.
Natürlich ist auch zu diskutieren, was ethisches Handeln im Bankgeschäft ausmacht. Renditeziele von 25 Prozent zu postulieren, gehört sicherlich nicht dazu, weil diese mit Geschäften, die einen realwirtschaftlichen Bezug haben, nicht darstellbar sind. Und das muss Grundlage allen Denkens und Handelns sein: Alles was keinen solchen Bezug hat, ist letztlich eine Seifenblase, die zwar ziemlich groß werden kann, aber zwangsläufig irgendwann platzt.
Gegen Zocker, die ihr oder ihrer Kunden letztes Hemd riskieren, ist kein System gefeit, aber es muss so ausgelegt sein, dass die Zocker keine systemgefährdende Vorreiterrolle übernehmen können.
Dazu bedarf es einer Rückbesinnung auf die eigentlichen Aufgaben der Finanzmärkte. Sie sind dazu da, der Realwirtschaft Kapital zur Verfügung zu stellen, damit diese ihren Aufgaben im Investitionsbereich nachkommen kann. Auch eine Übernahme und Streuung von Risiken ist durchaus im Sinne des Erfinders. Geplatzte Kredite dürfen aber nicht dazu führen, dass das System ins Wanken gerät, das heißt jeder Akteur am Finanzmarkt muss gezwungen sein, ausreichend Sicherheiten für Risiken zurückzulegen. Für diese Regelungen sind im Moment die Nationalstaaten zuständig. Solange keine Harmonisierung über Ländergrenzen hinweg erreicht wird, kann ein Finanzinstitut immer in das Land ausweichen, in dem die Regeln weniger streng oder nicht vorhanden sind. Im Gegenzug sind die Staaten gezwungen, ihre Regeln eher ans untere Niveau anzupassen, um nicht Arbeitsplätze zu verlieren. Bestes Beispiel ist der angedrohte Rückzug von Goldman Sachs vom Finanzplatz London, wegen der dort beschlossenen Besteuerung der Boni für Banker.
Auch eine international geregelte Finanzumsatzsteuer würde dazu beitragen, spekulative Geschäfte zurückzudrängen. Der geringe Steuersatz verhindert einen negativen Einfluss auf Geschäfte mit langer Laufzeit in der Realwirtschaft. Schnelle Spekulationen, die durch dauerndes Umschichten von Geldern immense Gewinne erzielen, würden erschwert, weil bei jeder Transaktion Steuer fällig wird. So hätten Banker, die ethisch „richtig“ handeln wollen und sich als Diener und nicht als Nutznießer der Realwirtschaft sehen endlich ein festes Regelwerk zur Verfügung, in dessen Rahmen ethisches Handeln auch wirtschaftlich erfolgreich ist.



